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Blechformer 07/1976

Mehr als Spiel


über die Tätigkeit der Stollberger Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Modelleisenbahnverbandes der DDR


Man muß schon genau hinsehen, um auf dem Foto zu erkennen, ob es sich um einen Ausschnitt aus unserer Natur handelt, oder um ein nachgebildetes Modell. Ja es ist ein Modell, es ist naturgetreue Nachbildung eines Geländeabschnittes mit allen Einzelheiten. Das Spiel mit der Modellbahn ist heute mehr als ein Spiel. Es soll helfen, neue Kenntnisse auf dem Gebiet der Technik zu sammeln, es soll dazu beitragen, die Fähig- und Fertigkeiten im Basteln zu vertiefen und soll nicht zuletzt eine sinnvolle Freizeitgestaltung sein, die Befriedigung und neue Kraft für den Beruf hervorbringt.
Das Lied von der "alten guten Bimmelbahn" zeigt uns, dass durch die Entwicklung und den Einzug der Eisenbahn in unser Land, die Herzen der Menschen nicht ungerührt blieben. Sie hatten in der Eisenbahn einen zuverlässigen Freund gefunden. Während die Schienen der Eisenbahn in unserer heutigen Zeit zum gewohnten Alltagsbild gehören und andere technische Errungenschaften, wie der Weltraumflug, uns in Atem hält, vollzieht sich gerade im Eisenbahnwesen ein wichtiger, entsprechend den Erfordernissen notwendiger Strukturwandel. Mancher Freund der Eisenbahn mag vielleicht etwas wehmütig auf die Zeit der Dampflokomotiven zurückblicken. Doch unser Herz schlägt höher beim Anblick der wuchtigen kraftgeladenen Dieselfahrzeuge aus der Sowjetunion, die neben den Elektroloks aus unserer Produktion den wichtigsten Anteil an der Traktionsumstellung haben. In der Direktive des IX. Parteitages der SED kommt dem Verkehrswesen und darunter der Eisenbahn eine besondere Bedeutung zu, gilt es doch den wachsenden Anforderungen der Volkswirtschaft an das Transportwesen gerecht zu werden. Neben den Erhöhung der Streckendurchlassfähigkeit durch den Bau von ca. 800 km zweiten Gleises, kommt der weiteren Traktionsumstellung eine besondere Bedeutung zu. So sieht die Direktive vor, bis zum Jahre 1980 in der elektrischen und Dieselbeförderung einen Anteil von 92 bis 95 Prozent zu erreichen. Eine recht beachtliche, aber notwendige Aufgabe. Was liegt nun näher, als gerade die fesselnde Atmosphäre der Eisenbahn im Modell nachzugestalten. Dadurch haben wir eine Möglichkeit die jahrzehntelange Entwicklung der Eisenbahn im Modell festzuhalten. Die Erhaltung der Traditionen der Geschichte der Eisenbahn haben sich die Mitglieder des Deutschen Modelleisenbahnverbandes der Deutschen Demokratischen Republik gestellt. Aufgeteilt in vielen Arbeitsgemeinschaften sind heute viele tausend Bürger Mitglieder des DMV. Die Interessengebiete reichen vom Sammeln von Lokbildern, dem Bau von Anlagen im Rahmen der Möglichkeiten in der eigenen Wohnung oder dem Bau von Großanlagen bis hin zum Eigenbau von Triebfahrzeugen, die dem großen Vorbild bis aufs kleinste Detail nachgebaut sind. Im Raum Stollberg besteht bereits seit mehreren Jahren unter der Leitung des Freundes Gernot Rehnert als "altbekannter Eisenbahner" und Meister der Abteilung 114 in unserem Werk, eine Arbeitsgruppe der zentralen Arbeitsgemeinschaft Dresden, der acht Werktätige aus dem Werk Stollberg und der Freund Schönfeld von der zentralen Verwaltung angehören. Sozusagen "ganz im Stillen" haben sie in den letzten Jahren gewirkt, haben sich durch viele Exkursionen im In- und Ausland mit dem große Vorbild vertraut gemacht, haben durch Arbeitseinsätze an historischen Eisenbahnstrecken, wie der Harzquerbahn, die im vergangenen Jahr ihr 75jähriges Jubiläum beging, sowie an der Schmalspurbahn Radebeul-Radeberg, zahlreiche Arbeitseinsätze an Wochenenden zur Erhaltung dieser Bahnen unentgeltlich geleistet. Zur Errichtung einer Gartenbahn in Radebeul, die bis zu den diesjährigen Arbeiterfestspielen fertiggestellt sein soll, trugen die Stollberger Freunde durch den Bau von Schienen und anderen Teilen wesentlich bei. Neben diesen Arbeiten bauen fast alle Freunde dieser Gruppe an ihren eigenen Heimanlagen, sei es in der Spur H0, TT oder N, je nachdem wie viel Platz die für dieses Hobby verständnisvollen Ehefrauen in der Wohnung zur Verfügung stellen. Am 26. Januar dieses Jahres beschloß nun die Stollberger Gruppe, mit ihren Arbeiten noch mehr an die öffentlichkeit zu gehen. Unter der Leitung des Freundes Peter Franke, Werkzeugmacher in der Abteilung 204 des Werkes Stollberg, verpflichteten sich die Freunde Christoph Brandt, Heinz Gundermann, Gernot Rehnert, Christian Fuchs, Peter Strunz, Horst Koch und Martin Fritzsche mit dem Bau einer Modellbahngroßanlage zu beginnen und den ersten Teil dieser Anlage zum diesjährigen "Fest des Lichtes" in Stollberg und zur Kinderweihnachtsfeier des Werkes Stollberg, der öffentlichkeit vorzustellen. Mit Unterstützung der BGL des Werkes Stollberg begannen bereits die ersten Arbeiten an dieser Anlage. Bautag ist jeden Donnerstag ab 15.15 Uhr im Aufenthaltsraum des Werkes Stollberg. Die Stollberger Freunde nahmen sich weiter vor, im Monat November dieses Jahres bei entsprechender Beteiligung eine Ausstellung von Heimanlagen aller Spurweiten in Stollberg durchzuführen. Sie rufen von dieser Stelle aus alle Freunde der Eisenbahn unseres Betriebes, die bis heute im "Stillen" an ihren Anlagen bauen, auf, sich an dieser Ausstellung zu beteiligen. Die besten Anlagen werden prämiiert. Den Stollberger Freunden wünschen wir beim Bau ihrer Anlage viel Erfolg. Sicher freuen sich die Kleinsten und aber auch die Erwachsenen auch die Kinderweihnachtsfeier am 27. November 1976, wo sie erstmalig diese Anlage bestaunen können. In einer unserer nächsten Ausgaben berichten wir über den Fortgang der Arbeiten an dieser Anlage. In Vorbereitung der Ausstellung von Heimanlagen wünschen wir allen Freunden der Eisenbahn unseres Betriebes viele schöne Erfolge. Teilnahmemeldungen mit Angaben über Anlagengröße und Spurweite bitten wir bis zum 31.August 1976 an Modellbahnfreund Gernot Rehnert, Werk Stollberg, abzugeben.

Peter Strunz



Freie Presse 12/1976

Anziehungspunkt für alt und jung bildete die gemeinsame Modelleisenbahnausstellung des VEB Blechformwerkes Stollberg und der Verkaufsstelle A. Junghans im Rathaussaal. (Kommentar: erste öffentliche Ausstellung anlässlich des "Festes des Lichtes und des Friedens" 1976)

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